Interview

Die Wärme, die aus der Tiefe kommt

Das Projekt Portikus in Halensee erhält eine innovative Geothermie-Anlage – die spart Energie und Kosten

Jörg Peters, Projektentwickler des Portikus in Berlin-Halensee. Das Projekt ensteht in einer Seitenstraße des Ku'damms.
So wird die Fassade des Portikus aussehen.

Herr Peters, Sie verwenden als Projektentwickler im Portikus Erdwärme zum Heizen und zur Warmwasserversorgung. Ist das so spektakulär, wie es klingt?

Die meisten erwarten eine große Anlage mit Dampf und dergleichen und sind dann etwas enttäuscht, wenn sie auf der Baustelle stehen. Alles, was sie von außen sehen, sind zwei Mal 16 Rohre, die an einer Stelle aus der Erde kommen. Die Bohrungen reichen 90 Meter tief. Von dort wird das Grundwasser nach oben gepumpt.

Wie lässt sich damit das gesamte Gebäude beheizen?

Das Wasser ist in der Tiefe acht Grad wärmer als in Bodennähe. Es kommt mit einer Temperatur von circa elf Grad Celsius aus der Erde. Wir nutzen diese Differenz, und das reicht aus. Wir haben zwei Wärmepumpen, die funktionieren nach dem umgedrehten Kühlschrankprinzip. Durch sie wird dem Wasser Energie entzogen und in einen Speicher unter der Bodenplatte geleitet. Oder die Energie wird direkt dazu benutzt, das Wasser im Gebäudekreislauf zu erwärmen. Damit können wir das Haus beheizen und mit Warmwasser versorgen und sind nicht mehr abhängig von fossilen Brennstoffen.

Sie kommen also ohne Energiezufuhr von außen aus?

Die Wärmetauschpumpe benötigt Strom, den erzeugen wir in unserem eigenen Blockheizkraftwerk. Betrieben wird es mit Gas, das ist am umweltfreundlichsten. Der so gewonnene Strom deckt auch den Verbrauch in den Aufzügen, für das Licht, die Kameras und all diese Anlagen. Dieses Gebäude hat somit keinen Stromverbrauch zum Betrieb der Haustechnik. Den überschüssigen Strom aus dem Betrieb des Blockheizkraftwerks speisen wir ins Netz ein.

Ist dieses System leistungsfähig genug, um auch längere Winter zu überstehen?

Für solche Spitzenzeiten haben wir zur Sicherheit zusätzlich noch eine Gastherme, aber die springt wirklich nur an, wenn sie gebraucht wird. In einem so milden Winter wie dem letzten hätten wir diese Quelle wahrscheinlich kein einziges Mal nutzen müssen.

Blick aus dem Portikus über Berlin
Sonden führen das Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche

Und über die warmen Monate wird die Anlage abgeschaltet?

Im Sommer nutzen wir die Geothermie umgekehrt. Wir können kaltes Wasser aus dem Heizungskreislauf durch Rohre in die Decken leiten und so als natürliche Klimaanlage nutzen. Das nennt sich Betonkerntemperierung und senkt die Raumtemperatur um bis zu fünf Grad – ohne Kosten, ohne Lärm wie bei einer klassischen Klimaanlage.

Muss der Käufer für diese innovative Technologie mit Mehrkosten rechnen?

Was richtig teuer ist, sind die Bohrungen zu Beginn. Hier haben wir es mit einer anspruchsvollen Technologie zu tun, die immer wieder von Gutachtern abgenommen werden muss. Viele Projektentwickler und private Hausbauer scheuen so etwas, die Geothermie kostet immerhin 300 Euro pro Quadratmeter mehr, aber bei uns ist das in den Kosten enthalten. Die einzelnen Komponenten wie die Wärmepumpen, die Wasserpumpen und das Blockheizkraftwerk sind einfache Technologien und über viele Jahre erprobt. Die Wartungskosten sind minimal. Nur ein Mal im Jahr müssen die Anlagen überprüft werden, und in den nächsten Jahren werden sie noch effizienter werden.

Welche Vorteile entstehen dadurch bei den Energiekosten und bei der Finanzierung?

Die Betriebskosten sinken deutlich. Und durch die Geothermie-Anlage und die ausgezeichnete Bauphysik haben wir im Portikus den Status als KfW-Effizienzhaus 70. Das bedeutet, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau den Kauf einer Wohnung mit einem günstigen Kredit über bis zu 50.000 Euro fördert.

Was geschieht eigentlich mit dem Grundwasser, das für die Nutzung der Erdwärme aus der Tiefe hochgepumpt wird?

Es zirkuliert und wird, nachdem wir ihm im Winter die Wärme entzogen und im Sommer die Abwärme aus dem Gebäude zugeführt haben, wieder in den Boden geleitet.