Prenzlauer Berg

Ein Spielplatz für Erwachsene

Prenzlauer Berg ist weithin bekannt – für seine Bewohner, über die viele Klischees kursieren, und für seine Lebensqualität für Jung und Alt

Beliebtes Ziel für Neu-Berliner: Der Wins-Kiez

Sie haben Coffee-to-go-Becher in der Hand, Yogamatten unter dem Arm und schieben Kinderwagen durch den Prenzlauer Berg. „Die Mütter vom Kollwitzplatz“ ist der Titel einer bekannten Comicserie des Karikaturisten OL (Olaf Schwarzbach). Das Bild, das er von den Bewohnern seines Stadtteils zeichnet, ist nicht gerade schmeichelhaft. Sie geben sich kreativ, sind aber nur egozentrisch. Sie wollen konsumkritisch sein, doch oft geht es nur um den richtigen Lebensstil. „Mein Vati ist Lehrer.“ – „Meiner Bio-Lehrer!“ OLs Rededuell zweier Grundschüler hat einen eindeutigen Sieger – auf dem Kollwitzplatz ist Bio immer besser.

Mit der Tram ist man in 5 Minuten am Alex
Herrliches Ruheidyll: Auch das ist Prenzlberg

Solche Überzeichnungen des Prenzlauer Bergs sind beliebt und sorgen immer wieder für Heiterkeit, die Realität sieht allerdings etwas anders aus. 

Prenzlauer Berg ist einer der lebenswertesten Stadtteile Berlins in unmittelbarer Nähe zur Stadtmitte. Und deshalb zählt er auch weiterhin zu den begehrtesten Lagen der Hauptstadt. Dies verdankt sich unter anderem der Tatsache, dass zu DDR-Zeiten hier nur geflickt, aber nicht saniert wurde. Die Gründerzeitaltbauten, oftmals im Krieg beschädigt, verfielen, wurden aber nicht abgerissen. Der Wohnraum war billig und heruntergekommen. Wer konnte, zog weg in einen Neubau mit Badezimmer und Warmwasser. Im Ergebnis blieb Deutschlands größtes zusammenhängendes Altbaugebiet bis über den Mauerfall hinaus erhalten.

Wohnen am alten Wasserturm

Nach der Wende wurde Prenzlauer Berg zum Sanierungsgebiet – und zu einem ausgedehnten Experimentierfeld für Alt- und Neuberliner. Zuerst entstanden Clubs, später selbst gegründete Kinderläden, schließlich hielt samstags der Bauernmarkt auf dem Kollwitzplatz Einzug. Gerade hier, in der Nähe des markanten Wasserturms, aber auch am Helmholtzplatz und im Bötzowviertel wurden zahlreiche Häuser aufwendig saniert. Neubauprojekte haben bestehende Brachen geschlossen.

Die Preise sind in den zurückliegenden Jahren deutlich angestiegen, doch noch immer entfaltet Prenzlauer Berg einen Charme, der Menschen aus dem Rest Deutschlands und der ganzen Welt anzieht. Mehr als 150.000 Menschen leben mittlerweile in diesem Stadtteil, der nach der Bezirksreform zum Verwaltungsbezirk Pankow gehört. Seit der Wende hat sich die Bevölkerung nach Schätzungen zu rund 80 Prozent ausgetauscht. Zu erkennen ist das im Alltag etwa daran, dass immer seltener die typische Ostformulierung ohne Artikel zu hören ist („in Prenzlauer Berg“, nicht „im Prenzlauer Berg“). Vom „Prenzlberg“ sprechen ohnehin fast nur Neuberliner aus Westdeutschland.

Die beste Currywurst der Stadt

Heute sind hier sehr viele Akademiker zu Hause. Familien und Studenten bewohnen großzügige Wohnungen mit hohen Stuckdecken und Flügeltüren. Der älteste Biergarten der Stadt, der Prater, lädt an der Kastanienallee auf ein Bier im Freien ein. Straßencafés, Musikclubs und exotische Restaurants locken mit Angeboten. Die Currywurst bei „Konnopke“ an der Kreuzung Schönhauser Allee/Danziger Straße ist berühmt und das zu Recht.

Die Zahl der Clubs ist in den vergangenen Jahren eher gesunken, Prenzlauer Berg ist erwachsen geworden. Statt zum Tanzen geht der Bewohner sonntagsvormittags eher in den Mauerpark zum Flohmarkt und singt beim Karaoke im Amphitheater mit. Waldorfkindergärten, Spielplätze und Abenteuerangebote für Kids, Grundschulen und alle Arten weiterführender Schulen gibt es in Prenzlauer Berg genauso häufig wie Biomärkte und kleinere Geschäfte. Die verkaufen Mode und Design, Bücher, internationale Spezialitäten und ja, manchmal auch Kinderspielzeug und Yogabedarf.

Mit 14.110 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Prenzlauer Berg einer der dichtbesiedeltsten Kieze in Berlin.