Weißensee

Der Geheimtipp im Norden

Weißensee steht nicht so im Blickpunkt und wird häufig unterschätzt. Dabei bietet der Bezirk ein eigenes Gewässer und jede Menge Lebensqualität

Das ist hier vielerorts möglich: Wohnen in Seenähe

Der Norden ist begehrt. Nach Prenzlberg wollen viele junge Familien und Pankow vermeldet immer mehr Zuzug. Doch Insider wissen längst: Auch Weißensee hat alles, was man zum Leben braucht. Den Park zum Spazierengehen, das Freibad zum Schwimmen, gute Schulen. Weißensee ist ein Geheimtipp, nur sieben Kilometer vom historischen Stadtzentrum entfernt. Die Straßenbahnlinien 4 und 2 verbinden den eher unspektakulär scheinenden, aber doch lebenswerten Bezirk mit Mitte und Prenzlauer Berg. An der renommierten Kunsthochschule Weißensee studieren 750 junge Leute Kunst und Gestaltung und immer öfter zieht es die Studenten zum Wohnen in den ruhigen Kiez nahe der Hochschule. 

Im Zentrum des Bezirks
Das berühmte Kino "Toni" des Regisseurs Michael Verhoeven

Gegründet wurde das Viertel Weißensee rund um ein Rittergut und den gleichnamigen See. Die knapp 50.000 Einwohner verteilen sich auf unterschiedliche Wohngebiete im fast acht Quadratkilometer großen Kiez. Im alten Ortskern rund um die Berliner Allee wurden die Altbauten in den vergangenen Jahren aufwändig saniert und mit Stuck verziert; sie erinnern wieder an die Kaiserzeit. Im Komponistenviertel mit klingenden Straßennamen wie Chopinstraße oder Bizetstraße leben viele Familien in Gründerzeitbauten. Wohnraum zu schaffen, das war in Weißensee zu allen Zeiten ein Thema: In den 1920er Jahren errichtete der Architekt Bruno Taut nach den Gesichtspunkten des „Neuen Bauens“ mit neuen Materialien und im sachlich-schlichten Stil in der Buschallee ein Wohnhausensemble. Mehrfamilienhäuser aus den 1960er und 1990er Jahren prägen das Bild in Außenbezirken, in der Falkenberger Straße oder in Karow-Nord.

Wunderbares Blumenfest

Fester Bestandteil der Kultur im Viertel ist seit den 1960er Jahren das Weißenseer Blumenfest. Im Park am Weißen See und in den Straßen wird gefeiert mit Musik, Kindermärchenland, Blumenkorso und der Wahl der Blumenkönigin. Ein Dorf mitten in der Großstadt. Auch das ist Berlin.

Das Herzstück des Viertels ist im Sommer der Weiße See selbst. Doch das Strandbad zieht junge Leute nicht nur in der Badesaison an. Auch im Herbst und Winter ist die Bar geöffnet, kann man den Blick auf den Abendhimmel genießen und es sich am Strand bequem machen. Eines der bekanntesten Cafés in Weißensee ist das „Milchhäuschen“. Vor mehr als 100 Jahren als kommunaler Betrieb eröffnet, bot das Haus früher Milchprodukte aus der Gemeinde an. Heute kann man dort auf der Terrasse am See sitzen und genüsslich ein Glas Wein trinken.

Erinnerungen an die ARD-Fernsehserie

Die Ruhe etwas außerhalb schätzen schon im vergangene Jahrhundert die Dichter der Hauptstadt: Bertolt Brecht und Helene Weigel lebten einst an der Berliner Allee 185. Nicht weit davon entfernt hat der Antonplatz eine Rarität zu bieten: das Kino „Toni“, eröffnet 1920. Es bietet Filme, Lesungen und Diskussionen, Eigentümer ist der Regisseur Michael Verhoeven, Ehemann der Schauspielerin Senta Berger. Ein weiteres Kulturzentrum findet sich in der „Brotfabrik“ mit Fotogalerie, Kino und Bühne.

In ganz Deutschland bekannt wurde das Viertel durch die Fernsehserie „Weissensee“, die 2010 erstmals im Abendprogramm der ARD ausgestrahlt wurde. Über fünf Millionen Zuschauer hatte die Produktion mit Schauspielern wie Katrin Sass, Hannah Herzsprung und Uwe Kockisch. Erzählt wird die Geschichte zweier verfeindeter Familien in Ost-Berlin von 1980 bis zur Wendezeit. Gedreht wurde natürlich auch in den Straßen im Kiez. Und als sich die zwei Protagonisten Julia Hausmann und Martin Kupfer heimlich am Ufer des Sees trafen, sahen die TV-Zuschauer: Berlin hat noch schöne Flecken.

Bereits 1913 eröffnete das „Milchhäuschen“, das bekannteste Café in Weißensee.