Mein Laden

„Ein Stück türkischer Tradition“

Französisch, arabisch, spanisch, türkisch … die Vielfalt Neuköllns zeigt sich auf der Karl-Marx-Straße nicht nur im Sprachmischmasch.

Französisch, arabisch, spanisch, türkisch … die Vielfalt Neuköllns zeigt sich nicht nur im Sprachmischmasch. Auch zahlreiche Geschäfte mit kulinarischen Köstlichkeiten wurden von Menschen der etwa 160 hier ansässigen Nationalitäten eröffnet. Wie die Nussrösterei Kumru Kuruyemis in der Karl-Marx-Straße 138. Hier haben wir das große Glück, auf den Geschäftsführer Ahmet Ucar zu treffen. Während er alle Hände voll zu tun hat, seinen Kunden aus dem Angebot aller nur denkbaren Nusssorten, Trockenfrüchte und Süßigkeiten die gewünschten zu überreichen, bekommen wir einen herrlichen türkischen Tee und interessante Antworten auf unsere Fragen.

Herr Ucar, stimmt es, dass Sie die größte Nussrösterei Berlins leiten?

Ucar: Ja, ich denke schon. Als ich damals nach Deutschland kam, fiel mir auf, dass es hier nur einen Nussladen gab. Was ich schade fand, denn viele Menschen hier lieben geröstete Nüsse – und frisch schmecken sie eben sehr viel besser als aus der Tüte. Wir verkaufen zum Beispiel Walnüsse, Haselnüsse, Pistazien, Sonnenblumenkerne und Trockenfrüchte wie Datteln oder Aprikosen. Daneben führen wir auch türkischen Honig und andere typisch orientalische Süßigkeiten.

Wie lange gibt es den Laden schon und warum haben Sie sich für den Standort Karl-Marx-Straße entschieden?

Ich wohne seit 2003 in Berlin, diesen Laden hier besitze ich seit fünf Jahren. Ein wichtiges Argument für den Standort war, dass die Karl-Marx-Straße eine belebte Einkaufsstraße ist. Das bedeutet viel Laufkundschaft. Natürlich ist auch die internationale Kundschaft hier von Vorteil: Vor allem Türken und Araber kennen Läden wie diese aus ihrer Heimat und essen unsere Knabbereien gern.  

Haben Sie also vor allem türkische und arabische Kundschaft?

Am Anfang war das tatsächlich so, aber das hat sich mit der Zeit sehr verändert. Inzwischen kaufen hier Menschen aus der ganzen Welt. Allerdings unterscheiden sich die Geschmäcker: Während Türken traditionell gern Sonnenblumenkerne oder Kichererbsen knabbern, bevorzugen deutsche Kunden zum Beispiel eher Trockenfrüchte und gebrannte Mandeln. Aber egal, woher sie kommen – alle sind glücklich. Deutsche Kunden sind oft von der Auswahl überrascht. Es kamen schon Leute zu mir, die ausriefen: „Oh, das hier ist ja das Paradies!“ Orientalen dagegen sagen mir oft, dass für sie der Laden ein Stück Heimat ist.  

Aber Sie haben auch getrocknete Gojibeeren im Angebot. Das ist doch nicht typisch türkisch?

Nein, Chinesen naschen sie zum Tee. Ich habe sie bei einer Reise nach Hamburg entdeckt. Unsere Kunden erwarten, dass wir ihnen jeden Tag etwas Neues bieten. Sie möchten einfach gerne ab und zu etwas Außergewöhnliches kaufen. Darum nehme ich in mein Sortiment immer wieder neue Produkte auf, die aus allen Ecken der Welt kommen: aus China, der Türkei, aus Spanien oder Israel … von überall her! Es muss natürlich ins Konzept passen. Zurzeit verkaufe ich zwar auch getrockneten Salbei, Lindenblüten, Lavendel und einige Gewürze, aber Kräuter und Gewürze – das ist eigentlich ein eigenes, in sich geschlossenes Ladenkonzept.

Rösten Sie die Nüsse in Ihrem Laden selbst?

Ja, ich importiere Rohware und röste diese selbst – und zwar täglich. Nüsse müssen frisch geröstet verkauft werden, denn sie verlieren nach kurzer Zeit ihren guten Geschmack. In der Regel gibt es zwei Röstgänge: Zuerst röste ich die Nüsse vor, salze sie und röste sie danach ein zweites Mal. Erst beim zweiten Röstgang entfalten sie ihr ganzes Aroma. Ich muss den gesamten Vorgang begleiten, währenddessen kümmern sich meine Mitarbeiter um den Verkauf. Den Beruf übe ich seit 20 Jahren aus, das Handwerk habe ich in der Türkei erlernt.

Essen Sie selbst gern Ihre Knabbereien?

Ich muss! Um die Qualität zu kontrollieren, probiere ich bei der Arbeit täglich 200 bis 300 Gramm Sonnenblumenkerne. Nur so kann ich gewährleisten, dass der Geschmack  stimmt. Ich ertappe mich aber auch immer wieder, dass ich zu Hause beim Fernsehen genauso gerne knabbere wie andere Leute. Es ist ja auch Teil der türkischen Tradition: Kommen Gäste zu Besuch, stellen wir zum Tee oder Kaffee eine Schale mit Nüssen auf den Tisch.

Aber bei Ihnen im Laden gibt es keine Sitzecke zum Teetrinken …

Ich hatte sogar schon einmal so eine Sitzecke. Aber die Tische waren immer voller Menschen, die dann über zwei Stunden nur einen Tee getrunken und eine kleine Tüte Nüsse gegessen haben. Das hat sich einfach nicht gelohnt. Aber dafür gibt es heute bei mir wirklich alles, was die Leute zu Hause gern zum Tee essen.

Wie gefällt Ihnen der Bezirk? Arbeiten Sie gern hier?

Ich arbeite überall gern – Hauptsache: Nüsse und Trockenfrüchte! Da ich den ganzen Tag über im Geschäft bin, bekomme ich von Neukölln nicht so viel mit. Allerdings bin ich viel im Gespräch mit Kunden und anderen Ladenbesitzern auf der Karl-Marx-Straße. Ich kenne hier viele Leute und liebe das Gemeinschaftsgefühl. Da kommt wohl die türkische Mentalität durch. Das persönliche Gespräch gehört für mich immer mit dazu, auch bei der Kundenbetreuung. Es geht schließlich nicht immer nur ums Geld, ich möchte doch auch eine persönliche Beziehung zu meinen Mitmenschen aufbauen.

Wünschen Sie sich etwas für Neukölln?

Ich freue mich, dass die Leute meine Nüsse so gerne kaufen und genießen. Das zeigt mir, dass ich schmackhafte und frische Produkte anbiete. Was ich mir wünsche? Dass es auch in Zukunft so bleibt.

Fotos: Joachim Wagner (6)

Oh, das hier ist ja das Paradies!

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