Metropol Park

Die Wiedergeburt

Das Gebäude Rungestraße 3-7 war lange ein vergessener Ort. Nun erwacht er zu neuem Leben

Illuminierte Fassade des Metropol Park

Es ist kaum vorstellbar, dass dieses Haus so lange so wenig beachtet wurde. Alles auf der Außenseite der Rungestraße 3-7 wirkt kühn. Wie sollte jemand achtlos an der Fassade aus dunkelroten Klinkern vorbeigehen, auf der sich imposante Fenster und bis zum Dach durchlaufende Kanten abwechseln? Wie könnte jemand das eindrucksvolle Eingangsportal nicht beachten mit seinem knappen Dutzend Stufen?

Sogar einen prominenten Nachbarn hat das Gebäude: Auf der anderen Straßenseite lebt in einem Gehege der Berliner Bär, Wappentier der deutschen Hauptstadt. Doch selbst seine Lage in Berlin-Mitte im Zentrum der Stadt hat nicht verhindert, dass das Bauwerk in der Rungestraße 3-7 über viele Jahre hinweg ein nahezu vergessener Ort war.

Ein einmaliges Architektur-Ereignis

„Es war einfach nicht allzu oft zugänglich“, sagt Alexander Haeder. Er ist Leiter des Projektes „Metropol Park“. Unter diesem Namen soll das Gebäude, das in den 30er Jahren als eine Mischung aus Expressionismus und Art déco entstand, und in der Vergangenheit Verwaltungssitz der Krankenkasse AOK und Parteischule der SED war, zu einem außergewöhnlichen neuen Leben wiedererweckt werden. Was hier entsteht, ist eine der extravagantesten Wohnadressen in Berlin.

 

Der Innenhof, in dem ein Garten entsteht
Auch das Treppenhaus wurde speziell beleuchtet.

Wer beim Anblick des Metropol Park an „Metropolis“ und Fritz Lang denkt, ist nicht im falschen Film. Der Siencefiction-Film und der monumentale Backsteinbau sind quasi Zeitgenossen. Langs Stummfilm hatte 1927 Premiere, die AOK zog 1933 in der Rungestraße ein. Dazwischen liegen das Ende der Goldenen Zwanziger und die Jahre der großen Wirtschaftskrise. Das abrupte Finale dieser so stilbildenden Zeit erklärt auch, warum es heute nur noch wenige Zeugnisse expressionistischer Architektur in Berlin gibt – und warum Metropol Park ein einmaliges Ereignis von europäischem Rang ist.

Auch das Innere des Gebäudes kann den Besucher in Staunen versetzen. Hinter dem Foyer öffnet sich ein Innenhof mit einer Dachkonstruktion aus Stahl, die die Entwickler beim allmählichen Rückbau entdeckt haben. Hier wird ein Garten angelegt, den alle Bewohner des Gebäudes gemeinsam nutzen werden.

Durch das offene Treppenhaus führt der Weg nach oben in die ersten Appartements, die für die Öffentlichkeit derzeit schon zugänglich sind: weitläufige Lofts mit mehreren hundert Quadratmetern,  über vier Metern hohen Decken und Fenstern, durch die der Blick auf den Berliner Fernsehturm fällt. An den Wänden in der ersten Etage: Kunstobjekte, konkret oder abstrakt, geometrisch oder verspielt.

Mehrere hundert Gäste bei der Präsentation

Die Arbeiten stammen von der Künstlergruppe FRÄSH des Instituts Sepia von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Die jungen Künstler erproben hier über einen längeren Zeitraum, welche ästhetischen Lösungen sich für das Gebäude und seine Innenräume eignen, eine Art angewandtes künstlerisches Forschungsprojekt. Eine Frage ist dabei: Welche Materialien eignen sich für die Gestaltung der Böden? „Wir brauchen eine starke Form, die der Außenansicht standhält“, sagt Ulrich Reimkasten, Professor für Malerei und Textil in Halle. Zur Präsentation der ersten Ideen kamen mehrere hundert Gäste.

Es sollte nur der Auftakt zu vielen weiteren Terminen im Metropol Park sein. Im Gegensatz zu seiner Vergangenheit soll sich das Haus in Zukunft öffnen, für die Vernissagen von FRÄSH, zur Fußball-WM oder zur Fashion Week. Die Öffentlichkeit soll begleiten, wie sich das Gebäude schrittweise verwandelt. „Wir sind froh, wenn sie mit uns neugierig bleiben“, sagt Projektentwickler Alexander Haeder – und spricht damit eine Einladung aus, diesen Ort zu besuchen, der lange genug vergessen war.

 


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