Mode

Ein Dandy mit Gitarre

Der Designer Martin Joyeux geht auf eine Reise durch Berlin – auf der Suche nach dem perfekten Ort für sich und seine Mode

Ein Mann auf der Suche: Modedesigner Martin Joyeux

Martin Johann Fröhlich ist in vielen Welten zu Hause. Er war Punkrock-Musiker und hat ein Berliner Start-up gegründet, das online und auf mobilen Geräten Fachbücher zum Lesen und Bearbeiten bereit stellt. Er ist den Jakobsweg gewandert und hat auch schon für einige Wochen in einem Kloster gelebt. „Keine Frau, kein Telefon, nur Brot und Wasser“, beschreibt Fröhlich den Ausbruch aus seinem sonstigen Leben. Diese Zeit unter Mönchen habe seine Sinne geschärft, sagt er: „Man hat dann wachere Augen.“ 

Unter dem Namen Martin Joyeux hat Fröhlich eine neue Karriere gestartet: als Modedesigner. Die französische Übersetzung seines Namens soll den edlen, luxuriösen und extravaganten Stil seiner Kollektionen unterstreichen, in denen Samt und Seide eine wichtige Rolle spielen. 

So hat Fröhlich außergewöhnliche Fliegen und Schleifen für ein junges Publikum gestaltet und will diese Accessoires von ihrem verstaubten Image befreien. Vertrieben werden die Produkte von Martin Joyeux über seine Internetseite martinjoyeux.com und ausgewählte Geschäfte. Seinen Stil nennt Fröhlich, der in der Oberlausitz geboren wurde und heute in Berlin und Köln lebt, „Barock’n’Roll“: die Fusion starker Gegensätze.

Inspiriert hat ihn dazu die Burlesque- und Elektro-Swing-Szene. Viele Anregungen liefert auch das Berlin der Weimarer Republik – die Goldenen Zwanziger, in denen extreme Gegensätze aufeinandertrafen. Was läge da näher, als sich im heutigen Berlin auf die Suche nach einem Atelier oder einem Laden für ihn zu machen, nach einem Ort, der perfekt zu ihm und seiner Mode passt?

Herr Joyeux, was inspiriert Sie eigentlich?

Dinge aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und anders anzugehen. 

Was ist Ihnen bei der Arbeit als junger Designer und Gründer wichtig?

Die Freiheit und Leidenschaft. Sich aus der Konvention zu befreien und offen zu sein für Neues. Erst wenn man Sachen durchlebt hat, versteht man, worum es geht. 

Was brauchen Sie in Ihrer Nähe, um kreativ zu sein – den Trubel einer belebten Straße oder eher Natur, Grünes, den Blick aufs Wasser?

Ich muss mit mir selber im Reinen sein. Man kann erst kreativ sein, wenn man nicht in seiner eigenen Haut gefangen ist, wenn man viel verarbeitet und den Rucksack mit den eigenen Problemen leicht gemacht hat. Oftmals braucht der Stadtmensch aber auch das Meer und den Wald, um sich zu erden. Wasser ist mir ganz besonders wichtig, ich komme aus einer alten Bootsbauerdynastie. 

Wenn Sie bei einem Umzug nur drei Dinge mitnehmen könnten – welche wären das?

Mein Herz, mein Kopf und meine Beine. Ach ja, fast hätte ich sie vergessen ... meine Akustikgitarre. Eine japanische Takamine mit zwölf Saiten, die hat einen tollen Klang. 

Sie nennen Ihren Stil Barock'n'Roll. Wo finden Sie diese Gegensätze am ehesten in Berlin wieder? 

Jedes Viertel in Berlin hat seinen eigenen Charme. Letztendlich sind es die Menschen, die Berlin zu dem machen, was es heute ist. Am wohlsten fühle ich mich immer in der Gegenwart. 

Wie sieht der perfekte Lebensraum für Martin Joyeux aus?

Im Stil der Zwanziger. Dandy Style. 

Arbeiten & Wohnen – gehört das für Sie zusammen?

Teilweise. Seinen Beruf als eine Berufung zu leben, hat viel mit Leidenschaft zu tun. Dennoch benötigt man einen privaten Bereich, wo es ein Leben neben dem Beruf und der Berufung gibt. 

Was können Sie von Berlin lernen? Und was Berlin von Ihnen?

Ich kann lernen, offen zu sein für Neues und meine Vorurteile abzulegen. Und die Stadt von mir? Das Glück bei sich selber zu suchen und sich nicht von anderen Menschen und Orten abhängig zu machen. 

Fotos: Georg Roske (8)

Letztendlich sind es die Menschen, die Berlin zu dem machen, was es ist.

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