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Immobilien Zeitung vom 27.05.10

Grüne9 überzeugt durch das Energiekonzept

Ach du grüne Neune, lautet ein Ausruf des Erstaunens oder Entsetzens.Woher er kommt, weiß keiner so ganz genau. Die Makler von Zíegert Immobilien in Berlin schreckten jedenfalls nicht davor zurück, ein Wohnprojekt in der Charlottenburger Sömmeringstraße Grüne9 zu nennen. Der Name spielt auf das ausgefeilte Energiekonzept an. Aber er ist auch treffend, wenn man als Ortsunkundiger das erste Mal den Standort für das Vorhaben der Greta Berlin, besucht, denn auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, dass hier gebaut werden soll. Eine besonders große Straße ist die Sömmeringstraße nicht. Dafür ist sie umso lauter, besonders wenn man auf dem grünen Mittelstreifen steht und auf beiden Seiten Autos und Lkws vorüberdonnern.

Genau dort platzierte die Greta ihren Verkaufspavillon. Das ist mutig, zumal hier keine Schallschutzfenster eingebaut sind. Immerhin schaut man zu dieser Iahreszeit auf allen Seiten ins frische Maigrün der Bäume. Auf der Ostseite erheben sich dahinter ziemlich wuchtig die drei Turbinentürme des Kraftwerks Charlottenburg, davor, an der Sömmeringstraße 8-22, Ecke Quedlinburger Straße, liegt das knapp 5.600 m² große Baugrundstück. Im Süden, Richtung Spree, hat seit kurzem die Gießerei Noack ihren Sitz, die Skulpturen herstellt. Richtung Südwesten, etwa 500 m entfernt, beginnt der Park von Schloss Charlottenburg. Gleich auf der gegenüberliegenden Seite der Sömmeringstraße gibt es eine Grünanlage mit Spielplatz und die Außenanlagen der Sömmering-Sporthalle.

Dass der Standort sowohl Vorzüge als auch Nachteile hat, kann man auf den ersten Blick erkennen. Am Anfang schreckt vor allem die laute Straße und die gewerbliche Nutzung dieses Teils der Sömmeringstraße, der an der Spree endet. Zwar sei das Gewerbe nicht störend, und auch die Straße soll von Bezirksseite aus neu gestaltet und anstelle des Parkstreifens für die Autos ein Fahrradweg angelegt werden, erzählt Jörg Peters, Vorstandsvorsitzender von Greta, doch in der Tat habe man
sehr lange überlegt, mit welchem Konzept man diesen Standort entwickeln und vermarkten könnte. Größter Kritiker war dabei Nikolaus Ziegen, der Chef der auf die Vermittlung von Eigentumswohnungen spezialisierten Ziegen Immobilien.

Nach mehreren Neuplanungen stand schließlich das Konzept für ein energiesparendes Wohnprojekt, das dem I(fW-70-Stanndard entspricht. 123 zwischen 64 und 175 m² große Wohnungen, verteilt auf neun aneinandergereihte Häuser. Den Namen Grüne9 warf eine Ziegert-Mitarbeiterin in die Runde, und der erfüllt all das, was der eigentlich mit der Namensfindung beauftragten Agentur nicht einfiel. Er erstaunt, weckt die Neugier und beschreibt zugleich kurz und knapp das Bauvorhaben: neun Häuser mit begrünten Dächern die vollkornmen ohne fossile Brennstoffe auskommen.
Und das geht so: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sichert die Warmwasser- und Heizungsversorgung.

Für Spitzenzeiten irn Winter liefern Fotovoltaikanlagen auf dem Dach zusätzliche Energie, um das Wasser, wenn nötig, zu erwärmen. Weil durchgehend mehr Strom erzeugt wird als benötigt, wird dieser verkauft, und zwar an zwei hauseigenen Elektrotankstellen. Gespart wird auch beim Wasser. Das Abwasser wird in einem Drei-Kammern-System biologisch wieder aufbereitet und kann als Brauchwasser für Toilettenspülungen, Waschmaschinen, Handwaschbecken oder zur Gartenbewässerung wiederverwendet werden. Damit die Häuser so wenig Energie wie möglich verbrauchen, sind sie nach derzeitigem Stand der Technik optimal gedämmt.

Weil gut eingepackte Häuser auch gut belüftet werden müssen, werden so genannte Lüftungssteine installiert, die den Luftaustausch automatisch regeln. Positiver Nebeneffekt für Allergiker: Pollenfilter gehören gleich mit zu diesem Lüftungssystem.

Nach den bisherigen Berechnungen werden die Betriebskosten in der Grünen9 bei 1,20 bis 1,30 Euro/m2 liegen. Und das, obwohl auf keinerlei Wohnkomfort verzichtet werden muss. Es gibt Aufzüge, Räume mit 2,90 m lichter Höhe und raumhohe Fenster.
Auch sonst sind die Ausstattungsmerkmale gehobener Standard. Isolierglasfenster mit Holzrahmen, Fußbodenheizung und Parkettfußböden sind in der Basisvariante inklusive.

Das alles klingt nach gehobener Preisklasse, doch mit Preisen zwischen 2.150 und 2.700 Euro/ m² ist eine der Wohnungen in der Grünen9 auch für Käufergruppen erschwinglich, die sich eine Neubaueinheit sonst nicht leisten könnten. Die Möglichkeit, beim Kaufzins günstige KfW-Kredite in Anspruch zu nehmen, lässt auch die monatliche Belastung schrumpfen, sodass sie schon bei einem Eigenkapitalanteil von 15% nicht höher ist als die Belastung durch eine vergleichbare Mietwohnung.
Beim Blick auf die Kosten wirkt sich angesichts steigender Preise für fossile Brennstoffe natürlich auch das Energiekonzept der Grünen9 positiv aus. Inklusive Instandhaltungsrücklage, Verwaltergebühr, Betriebs- und Heizkosten werden 1,70 Euro/m² kalkuliert.

Angesichts solcher Zahlen erscheint es nur wenig verwunderlich, dass der erste Bauabschnitt mit 65 Wohnungen nach drei Monaten zu 70% verkauft oder reserviert war. Von dem Erfolg sind die Initiatoren dennoch überrascht. „Eigentlich dachten wir, dass wir mit dem zweiten Bauabschnitt beginnen, wenn der Rohbau des ersten Abschnitts steht“, sagt Peters. Doch ob der großen Nachfrage soll der Vertrieb für diesen Bauteil in dieser Woche starten, und wenn es weiter gut läuft, könnte Ende 2011/Anfang 2012 schon alles fertig sein. Baubeginn fijr das Vorhaben, in das Greta insgesamt 25 Mio. Euro investiert, soll Anfang Juni sein.

Dann werden die Pfähle für die dicke Bodenplatte gegründet, auf der die Häuser entstehen. Keller wird es in der Grünen9 nämlich nicht geben. Stattdessen sind Abstellräume und Stellplätze im Erdgeschossbereich untergebracht: „An so einer lauten Straße hätten wir Erdgeschosswohnungen nicht verkaufen können", sagt Nikolaus Ziegert. Und Jörg Peters pflichtet ihm bei. Man habe damit und durch die großzügigen Raumhöhen zwar potenziell weniger verrnarktbare Flächen, aber dafür ein Projekt, das gut läuft." (mv)