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Immobilien Zeitung vom 25.03.10

Im Winterfeldtkiez wird neu gebaut

Berlin-Schöneberg


Größere Neubauvorhaben in Berlin-Schöneberg hatten in der jüngsten Vergangenheit eher Seltenheitswert. Doch inzwischen hat sich nicht nur bei kleineren Entwicklern herumgesprochen, dass der Kiez rund um den Winterfeldtplatz und die Goltzstraße als Wohnstandort sehr beliebt ist und sich ein Neubau durchaus lohnen kann. Größter künftiger Bauherr im Karree ist die Hochtief Projektentwicklung, die ein Gebäude mit 80 Wohnungen in der Barbarossastraße, einer Seitenstraße der Goltzstraße, plant.
Die Lage ist höchst reizvoll: Das Grundstück, auf dem Hochtief bauen will, liegt an der Ecke zum Barbarossaplatz und grenzt im Süden an einen kleinen Park. Die Sache hat nur einen Haken. Zurzeit steht dort noch ein Bau aus den 60er Jahren, aus dem einige Bewohner lieber nicht ausziehen wollen und zum Widerstand gegen den geplanten Abriss aufrufen. Von der Zerstörung des Parks und alter Bäume ist die Rede und davon, dass billiger Wohnraum im Kiez verloren geht. Unter 3.600 Euro/qm“, heißt es in Unterschriftenlisten, die in Geschäften im Kiez ausliegen. wäre keine der neuen Wohnungen zu haben.
Ganz anders sieht das Siegmund Kroll, Leiter des Stadtplzınungsamts im zuständigen Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg.
„Die Wohnungen in dem 60er-Jahre-Bau sind mit um die 6 Euro/m2 nettokalt keineswegs billig. Allenfalls weil die Einheiten sehr klein sind, ist die Miete günstig." Für diesen Preis ließe sich in dieser Gegend durchaus eine neue Wohnung finden. Die meisten der derzeit noch 25 Mietparteien im Haus würden sogar künftig lieber weniger als den bisherigen Quadratrneterpreís zahlen wollen, so Kroll.

Ein Sozialplan für die Mieter

Für die vom Abriss des Gebäudes betroffenen Mieter hat der Bezirk einen Sozialplan aufgestellt. Der soll fester Bestandteil des vorhabenbezogenen Bebauungsplans sein, für den gerade das Verfahren läuft. Eine neue Wohnung, Urnzugshilfe und die Entschädigung für eventuelle Einbauten in der alten Wohnung stehen den Mietern laut Sozialplan zu. Neun Mietparteien haben sich für diesen Sozialplan allerdings nicht erfassen lassen. Wenn die nicht mitspielen wollen, muss das Bauherr Hochtief allein regeln, heißt es von Seiten des Bezirks.
Dazu ist in den nächsten Monaten noch Zeit, denn noch steht der vorhabenbezogene Bebauungsplan nicht. Die öffentliche Auslegung wird voraussichtlich nach Ostern erfolgen, und schätzungsweise Ende 2010/Anfang 2011 könnte der B-Plan stehen. Vorgesehen ist ein mehrwinkliges Gebäude, das die historische Struktur der Platzkante wieder aufnimmt. „Der Platz wird dadurch ein schönes Gesicht bekommen", sagt Nikolaus Ziegert. Chef der auf die Vermarktung von Eigentums-wohnungen spezialisierten Firma Ziegert Immobilien, die auch den Vertrieb für das Hochtief-Projekt übernehmen soll.
Und Ziegen glaubt, dass sich künftig am Barbarossaplatz noch einiges tun könnte.
Denn auch andere Eigentümer der nach dem Zweiten Weltkrieg in sturen Rechtecken ohne Rücksicht auf die Sternform des Platzes hingesetzten Bauten haben seines Wissens Abriss- und Neubaupläne. Die sind zwar noch nicht offiziell, doch beim Bezirk steht man einer Aufwertung der von Sozialbauten geprägten Gegend im ansonsten gut situierten, lebendigen und intakten Altbau-
quartier wohlwollend gegenüber.
In absehbarer Zeit soll auch der Platz mit der riesigen alten Platane in der Mitte neu gestaltet werden, sagt Siegmund Kroll. lm Zuge der Hochtief-Baumaßnahme werden auf Kosten des Bauherrn außerdem der nicht sehr ansehnliche kleine Park und der dazu gehörende Spielplatz neu gestaltet. Im Gegenzug will der Bezirk bei dem  Hochtief-Vorhaben eine höhere bauliche Dichte
bewilligen als bisher. So könnten insgesamt etwa 9.000 qm neuer Wohnraum entstehen.


Lückenschluss in der GoItzstraße

Weit bescheidener in seinen Dimensionen ist ein privates Bauvorhaben gleich um die Ecke in der Goltzstraße, die als szenige Kneipen- und Bummelmeile zum Winterfeldtplatz führt. Dort wird gerade in einer Nachkriegslücke ein Wohnhaus mit fünf zwischen 167 und 263 ml großen Einheiten gebaut. Sie sollen zwischen 2.700 und 3.700 Euro/qm kosten und werden ebenfalls von Ziegert vermarktet. Sehr große Einheiten, wie die Penthouse-Maisonette, die fast 1 Mio. Euro kosten soll, lassen sich allerdings nicht ganz so leicht an den Mann bringen. Bisher sind erst zwei 167 qm große Wohnungen verkauft. Im Quartier Winterfeldt, das derzeit ebenfalls im Umfeld des durch seinen Wochenmarkt stadtbekannten Winterfeldtplatzes entsteht, sind von 35 Wohnungen dagegen nach Angaben von Nikolaus Ziegert 30 verkauft oder fest reserviert: „Solange dort noch nicht die Bagger rollten, war die Nachfrage sehr zögerlich", sagt Ziegert. Doch seit dem Beginn der Arbeiten im Frühsommer 2009 (IZ 21/09) sei der Abverkauf der zwischen 2.650 und 3.750 Euro/qm teuren Ein-
heiten „rasant“ gelaufen. Die entsprechen mit einer Größe zwischen 100 und 120 qm
auch dem, was nach Ziegerts Erfahrungen in diesem Teil von Schöneberg gefragt ist. Details zu den geplanten Hochtief-Quartieren am Barbarossaplatz und was sie kosten sollen, lässt er sich ebenso wenig entlocken wie Hochtief. Ziegerts Tipp für den Kiez: Die Preise für Eigentumswohnungen bleiben stabil und weisen eine leicht steigende Tendenz aufi (mv)